1. Welche Faktoren bestimmen die Dauer?
Die Dauer einer 3D Visualisierung ist selten nur „Renderzeit“. In der Praxis entsteht die Laufzeit aus Datenbeschaffung, Abstimmungen, Korrekturschleifen und Priorisierung. Technisch kann man vieles beschleunigen – organisatorisch oft noch mehr.
- Datenqualität: Planstand klar, Materialkonzept vorhanden, Kontextinfos vollständig
- Anzahl Perspektiven: mehr Bilder = mehr Setup, mehr Korrekturen, mehr Abstimmung
- Realismuslevel: „clean architektonisch“ vs. „marketing photoreal“
- Komplexität: Umgebung, Vegetation, Nachbarbebauung, Detaillierung der Fassade
- Entscheidungswege: eine Freigabeperson vs. mehrere Stakeholder ohne klare Zuständigkeit
- Änderungen: späte Plan-/Materialwechsel sind der grösste Zeit- (und Budget-)Treiber
Für ein „klassisches Set“ (z. B. 3–6 Perspektiven) ist eine Laufzeit von 1–3 Wochen häufig realistisch, wenn Daten und Freigaben sauber laufen. Fast-Track ist möglich – benötigt aber sehr klare Entscheidungen.
Standard vs. Fast-Track
Fast-Track bedeutet nicht „schneller rendern“, sondern „weniger Leerlauf“: klare Prioritäten, gebündeltes Feedback, fixe Freigabezeiten.
Der grösste Zeitkiller
Widersprüchliches Feedback (mehrere Personen) und Richtungswechsel nach der Look-Freigabe (z. B. Tageszeit/Material komplett ändern).
2. Typischer Projektablauf in 5 Phasen
Der Ablauf lässt sich in fünf Phasen strukturieren. Die angegebenen Zeitfenster sind typische Bandbreiten – abhängig von Umfang, Realismus und Freigabeprozess. Wichtig: Phasen überlappen sich oft, aber die Reihenfolge der Entscheidungen bleibt ähnlich.
- 1) Briefing (ca. 0.5–2 Tage): Ziel, Stil, Bildanzahl, Prioritäten, Referenzen, Deadline
- 2) Datenaufbereitung (ca. 1–5 Tage): Planstand prüfen, Modell/Geometrie aufbereiten, Kontext klären
- 3) Look-Entwicklung (ca. 2–7 Tage): Kamera, Licht, Materialien, Umgebung als „Preview“ abstimmen
- 4) Rendering/Produktion (ca. 2–10 Tage): Details, Vegetation, People/Cars, Render & Postproduktion
- 5) Korrektur & Final (ca. 1–7 Tage): gebündelte Änderungen, Feinschliff, Exportformate
Wenn es eilt
Mit 1–2 Key-Renderings starten (Hero + Kontext). Der Rest folgt in einer zweiten Welle. So kann Vermarktung früher beginnen.
Wenn es komplex ist
Mehr Zeit in Phase 2–3 investieren (Daten/Look). Das reduziert spätere Revisionen – und macht den Gesamtprozess schneller.
3. Wie Sie den Prozess beschleunigen
Beschleunigung entsteht selten durch „mehr Druck“, sondern durch bessere Inputs und klarere Entscheidungswege. Drei Stellschrauben wirken fast immer: Daten, Prioritäten, Feedback.
- Ein Planstand: keine gemischten Versionen (Grundriss neu, Fassade alt)
- Priorisierung: A-B-C Perspektiven (welche Bilder müssen zuerst fertig sein?)
- Gebündeltes Feedback: eine Person konsolidiert, pro Bild nummerierte Punkte
- Fixe Zeitfenster: Freigaben innerhalb von 24–48h statt „wenn Zeit ist“
- Referenzen: 2–3 Mood-Bilder für Licht/Material/Umgebung beschleunigen enorm
Schneller wird es, wenn Sie weniger „Hin und Her“ haben – nicht wenn Sie „schneller rendern“. Jede zusätzliche Feedback-Runde kostet meist mehr Zeit als ein ganzes Rendering.
Quick Win
Ein Preview-Render pro Perspektive zur Freigabe von Kamera/Look. Danach erst die finalen hochauflösenden Bilder.
Typischer Sprint-Setup
Tag 1 Briefing + Datencheck, Tag 2 Look-Preview, Tag 3–4 Produktion Hero, Tag 5 Korrektur & Final (bei klaren Daten).
4. Häufige Verzögerungen vermeiden
Verzögerungen entstehen meist nicht durch „zu wenig Leistung“, sondern durch ungeklärte Entscheidungen. Wer diese Klassiker vermeidet, spart Tage – manchmal Wochen.
- Späte Materialänderungen: „Wir wechseln doch auf Holz“ kurz vor Final – führt zu Kettenreaktion in allen Bildern
- Keine Freigabeperson: Feedback kommt von 4 Personen – widersprüchlich, unvollständig, zeitversetzt
- Zu viele Perspektiven: ohne klare Vermarktungsrelevanz (Masse statt Klasse)
- Unklare Erwartung: „photoreal“ wird gefordert, aber ohne Referenzen oder ohne Materialkonzept
- Datenmischung: Planstand A + Fassade B + Aussenraum C → dauernde Nachführung
Ist die Änderungsanforderung ein Detail (Feinschliff) – oder ein Richtungswechsel? Richtungswechsel sollten bewusst entschieden und priorisiert werden (Zeit/Budget/Deadline).
Verzögerung „unsichtbar“
Wartezeit auf Entscheidungen (Material, Licht, Kamera). Diese Leerlaufzeiten addieren sich – oft mehr als die Produktionszeit.
Gegenmassnahme
Freigabe-Slots fix blocken (z. B. 15 Minuten pro Runde) und Feedback bündeln. Dadurch bleibt der Prozess „in Bewegung“.
5. FAQ zur Lieferzeit
Wie viele Tage braucht ein einzelnes Bild?
Das hängt vom Detailgrad und vom Setup ab. Ein einzelnes Bild wirkt oft „schnell“, aber Kamera/Look/Material müssen einmal sauber definiert sein.
Danach wird jedes weitere Bild deutlich effizienter, weil Stil und Assets wiederverwendet werden können.
Was verlängert die Laufzeit am stärksten?
Mehrere späte Änderungsrunden, fehlende Priorisierung und unklare Zuständigkeiten. Technische Themen sind meist planbar – Entscheidungswege oft nicht.
Kann man Vermarktung starten, bevor alles fertig ist?
Ja – häufig ist es sinnvoll, zuerst 1–2 Key-Renderings (Hero + Kontext) zu finalisieren und den Rest nachzuliefern.
Das reduziert Stress und bringt das Projekt früher „in den Markt“.
Wie plane ich Puffer sinnvoll ein?
Planen Sie Puffer nicht bei der Renderzeit, sondern bei Freigaben: Jede Feedbackrunde benötigt Zeitfenster für interne Abstimmung.
Ein kleiner Puffer pro Runde ist realistischer als „ein grosser Puffer am Ende“.
Wie bekomme ich eine verlässliche Einschätzung für mein Projekt?
Mit 2–3 Unterlagen (Planstand + Materialrichtung/Referenzen + gewünschte Perspektiven) lässt sich die Lieferzeit meist erstaunlich genau einschätzen.