1. Projektziel klar definieren
Bevor Daten gesammelt oder Perspektiven gewählt werden, muss klar sein, wofür die Bilder genutzt werden. Unterschiedliche Einsatzzwecke benötigen unterschiedliche Bildsprachen: Ein Investorendeck braucht Klarheit und Argumentation, eine Vermarktung braucht Wirkung und Vertrauen, ein Wettbewerb braucht Storyline und Prägnanz.
- Einsatz: Vermarktung / Wettbewerb / Baueingabe / interne Abstimmung / Investorendeck
- Zielgruppe: Käufer, Mieter, Investoren, Jury, Behörden, Projektteam
- Format: Website / Exposé / Print / Social / Präsentation
- Erfolgskriterium: Freigabe, Verkauf, bessere Verständlichkeit, schnellere Entscheidungen
„Diese Bilder sollen ___ überzeugen, damit ___ passiert.“
Do
Ein Ziel, eine Bildlogik, klare Prioritäten (welches Bild ist „Hero“, welches erklärt, welches ordnet ein).
Don’t
„Für alles“ briefen – dann werden Bilder oft beliebig und Korrekturrunden explodieren.
2. Datengrundlage vollständig liefern
80% der Verzögerungen entstehen durch unvollständige oder widersprüchliche Grundlagen. Gute Daten bedeuten: aktueller Planstand, klare Materialentscheidungen und saubere Kontextinfos. Fehlen Angaben, müssen Annahmen getroffen werden – und Annahmen führen später zu kostenintensiven Korrekturen.
- Planstand: Grundrisse, Schnitte, Ansichten (Datum/Version klar benennen)
- Masse & Höhen: Koten, Terrain, Sockel, Stützmauern, Treppen, Rampen
- Material/Farbe: Fassadenmaterial, Fensterrahmen, Dach, Beläge, Geländer (plus Referenzen)
- Kontext: Nachbarbauten grob, Grenzverläufe, Zufahrt, Aussenraumzonen
- Optional: BIM/CAD/3D-Modell (wenn vorhanden, spart es oft Zeit)
Häufiger Fehler
Pläne ohne eindeutigen Planstand („ich glaube das ist aktuell“) – später kommt eine neue Version, und alles muss nachgezogen werden.
So lösen
Ein Ordner mit klarer Struktur: /01_Plaene, /02_Material, /03_Referenzen, /04_Kontext.
3. Perspektiven und Storyline festlegen
Eine starke Serie besteht nicht aus zufälligen Ansichten, sondern aus einer Storyline. Bewährt hat sich: Ankommen (Adresse/Ort) → Erleben (Atmosphäre/Raumqualität) → Verstehen (Kontext/Logik/Anordnung). Damit werden Bilder „lesbar“ – und funktionieren in Exposé, Website und Präsentation.
- Hero-Perspektive: das stärkste Bild (Titel, Landingpage, Inserat)
- Adress-/Eingangsszene: Orientierung, Ankunft, Vorplatz
- Freiraum-/Hofbild: Nutzungsqualität, Grün, Aufenthalt
- Kontextbild: erhöht / Vogelperspektive / Drohne für Einordnung
- Optional: 1 Innenbild (Hauptwohnbereich) als emotionaler „Kontrast“
1) Zweck (verkaufen/erklären), 2) Blickrichtung, 3) Tageszeit/Look, 4) Priorität (A/B/C).
Do
Weniger Perspektiven, dafür klar priorisiert. Erst Look & Kamera freigeben, dann final rendern.
Don’t
„Machen Sie mal ein paar Ansichten“ – das erzeugt Streuverlust und unklare Erwartungshaltung.
4. Qualitätskriterien definieren
„Gute Qualität“ ist kein Gefühl, sondern eine Liste. Wenn Qualitätskriterien vorab definiert sind, bleiben Korrekturen gezielt: Man korrigiert dann konkret (Material, Licht, Massstab, Kontext), statt „irgendwie schöner“ zu verlangen.
- Massstab: plausible Proportionen (Möbel, Menschen, Vegetation) ohne Verzerrungen
- Licht: natürliche Logik (Sonnenstand, Schattenhärte), kein „flaches“ Rendering
- Materialität: glaubwürdig, sauber skaliert, ohne künstlichen Glanz oder Wiederholungsmuster
- Kontext: Umgebung unterstützt die Architektur (nicht „generischer Park“ ohne Bezug)
- Konsistenz: ein Look über alle Bilder (Farbwelt, Kontrast, Atmosphäre)
1) Lichtstimmung, 2) Materialrealismus, 3) Vegetation/Umgebung. Das ist oft schneller als lange Erklärungen.
Qualitäts-Shortcut
Ein „Preview“-Bild in reduzierter Qualität für Kamera/Look spart später teure Änderungen an finalen Renderings.
Häufige Stolperfalle
Unentschlossene Materialien bis kurz vor Schluss – dann wird jede Änderung teuer, weil sie in mehreren Bildern nachgezogen werden muss.
5. Freigabeprozess organisieren
Der grösste Zeitfresser sind nicht Renderzeiten, sondern unstrukturierte Rückmeldungen: mehrere Personen geben parallel Feedback, Feedback widerspricht sich, Änderungen kommen „häppchenweise“. Ein guter Freigabeprozess reduziert genau das.
- Eine verantwortliche Person bündelt Feedback (Owner der Freigabe)
- Runden definieren: z. B. Look/Kamera → Details → Final
- Feedback pro Bild bündeln: nummerierte Liste statt 20 Einzelmessages
- Änderungen kennzeichnen: Screenshot mit Markierung oder klare Textreferenz
Bild 03 – Punkt 1: Fensterrahmen dunkler
Bild 03 – Punkt 2: Vegetation weniger dicht im Vordergrund
Bild 03 – Punkt 3: Schatten unter Balkonen stärker
Do
Feedback bündeln und priorisieren: „Must-have“ vs. „Nice-to-have“ – das hält Budget und Timing stabil.
Don’t
Späte Richtungswechsel („doch lieber Nacht“) nachdem mehrere Bilder fertig sind – das ist meist ein kompletter Re-Work.
6. Finale Freigabe vorbereiten
Die finale Abgabe ist mehr als „JPEG schicken“. Für Vermarktung und Präsentation müssen Formate, Auflösungen und Zuschnitte passen. Eine saubere Schlusskontrolle verhindert Nacharbeiten im Layout, in Inseraten oder in Printprodukten.
- Formate: Web (z. B. 2000–3000 px) und Print (hochaufgelöst) getrennt definieren
- Farbmanagement: konsistente Farbwirkung (je nach Workflow)
- Crops: hero crop, 16:9, 4:5 (Social) – falls benötigt
- Dateinamen: Projektname_Bildnummer_Version (sauber für Team & Agenturen)
- Abnahme-Check: Kanten, Artefakte, Wiederholungen in Texturen, falsche Spiegelungen, unlogische Schatten
Stimmt Massstab? Stimmt Material? Stimmt Licht? Stimmt Kontext? Und: Unterstützt jedes Bild das definierte Ziel?